Timoschenko- einfach erklärt

In diesem Jahr bricht das EM-Fieber wieder aus. Der Fußball rollt dieses Mal in den Stadien in Polen und der Ukraine. Oder jetzt doch nicht? Die ukrainische Politikerin Julia Timoschenko schafft es die Ukrainer, als Gastgeberland für die EM infrage zu stellen.
Doch wer genau ist Timoschenko? Warum ist sie überhaupt im Gefängnis und warum wirft es ein schlechtes Licht auf die Ukraine?
Julia Timoschenko, Kämpferin, Verführerin, eiserne Lady, Unternehmerin, Gasprinzessin, Milliardärin, die Worte, mit denen sie beschrieben wird, zeigen sie ist eine ziemlich taffe Frau.
Bevor sie in die Politik ging, gründete sie ein Energieunternehmen. Das schon bald eine Monopolstellung erhielt und Umsätze in Milliardenhöhe machte. Nachdem sie das erreicht hatte, entschloss sich Timoschenko in die Politik zu gehen. Hier wurde sie dann schnell zur Oppositionsführerin und steht seither für eine westlich orientierte und sozialdemokratische Politik. Von 2007 bis 2010 war sie Premierministerin der Ukraine.
Aber warum sitzt sie jetzt eigentlich im Gefängnis? Nun die Straftat, wegen der sie verurteilt ist, lautet Amtsmissbrauch. Dabei geht es um einen Gasvertrag mit Russland, den Timoschenko 2009 aushandelte. Das Problem an der Sache, der Vertrag war so gestaltet, dass die Ukraine sehr viel Geld für das Gas bezahlt hat. Viel mehr als es der erwartete Preis auf dem Weltmarkt vorsah. In der Anklageschrift heißt es deshalb, dass dieser Vertrag der Ukraine schweren wirtschaftlichen Schaden zugefügt habe. Verurteilt wurde Timoschenko aber aus dem Grund, dass dieser Vertragsabschluss angeblich nicht zu ihren Amtsbefugnissen gehörte. Sie also damit ihr Amt missbraucht habe.

Warum ist das nun ungerecht? Nun es sieht so aus, als hätte der fortwährende Kontrahent Timoschenkos und derzeitige Präsident der Ukraine Wiktor Janukowytsch seine Hände mit im Spiel. Ihm wird vor allem im Ausland vorgeworfen, er wolle seine Widersacherin aus politischer Motivation heraus kaltstellen. USA, EU und Russland gehen davon aus das Janukowytsch und seine Regierung Einfluss auf die Strafjustiz hatten, damit Timoschenko verhaftet wird. Und so etwas stünde der Demokratie entgegen. Doch nicht nur das auch die Menschenrechte scheinen in diesem Fall angegriffen worden zu sein. Das Helsinkikomitee für Menschenrechte hat nämlich erklärt, dass die Aushandlung dieses umstrittenen Vertrages eine vollkommen normale politische Entscheidung gewesen sei und in keinem Fall eine Straftat. Das wiederum würde bedeuten Timoschenko sitzt zu Unrecht im Gefängnis. Mit ihrer Festnahme will sich die Kämpferin Timoschenko nicht zufriedengeben. Da ist es ja ganz praktisch, dass die Fußball-EM bald in der Ukraine stattfindet und damit ganz Europa auf dieses Land schaut. Timoschenko die im Gefängnis an einem Bandscheibenvorfall erkrankt ist, nutzt die Gunst der Stunde. Mit einem Hungerstreik schafft sie es von einem deutschen Arzt und keinem ukrainischen behandelt zu werden. Sie fürchtet nämlich, dass die ukrainischen Ärzte unter Janukowytsch Einfluss stehen könnten. Ein Ziel Timoschenkos ist es auch auf die politisch undemokratische Situation in der Ukraine aufmerksam zu machen. Und darin ist Timoschenko erfolgreich. Einige sagen sie ist in dieser oppositionellen Rolle erfolgreicher als, als Premierministerin. Sie schafft es, dass verschiedene europäische Politiker die EM-Spiele in der Ukraine boykottieren und die Politik des Landes weltweit unter Kritik steht. Ob sich durch den Fall Timoschenko in der Ukraine etwas ändern wird bleibt abzuwarten. Feststeht jedoch, Timoschenko ist zwar trotz des Haarkranzes keine Heilige. Aber sie schafft es auf einen Präsidenten aufmerksam zu machen, der autoritäre Züge annimmt und möglicherweise eine Gefahr für die Demokratie in der Ukraine darstellt.