Sozialversicherungssystem - einfach erklärt

Peter aus Brünnstadt in Bayern und Johnny aus Wisconsin kennen sich eigentlich nicht. Dennoch ist Johnny ziemlich neidisch auf Peter – warum? Peter lebt in einem Sozialstaat, in dem man z.B. gegen Krankheit oder Arbeitslosigkeit finanziell abgesichert ist. Johnny dagegen hat im Vergleich zu Peter wenig Sicherheiten, vor allem wenn er mal arbeitslos oder krank werden sollte, sieht es gar nicht gut aus!

 

Aber warum ist das eigentlich so? Peter hat immer gut im Geschichtsunterricht aufgepasst und weiß daher, dass Bismarck, das ist der Mann mit dem komischen Helm hier, schon sehr früh angefangen hat, in Deutschland Sozialversicherungen einzuführen: die Kranken-,

Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Als Nachzügler kam dann noch die Pflegeversicherung hinzu.

 

Diese fünf Versicherungen bilden die Säulen unseres Sozialversicherungssystems in Deutschland. Das Fundament dieses Systems ist das Solidaritätsprinzip: Das besagt: Je mehr eine Person verdient, desto höhere Beiträge muss sie zahlen. Peter z.B. arbeitet in einer Dosenfabrik und verdient weniger als sein rechter Nachbar Udo. Der ist nämlich ein hohes Tier in der Brünnstädter Bank und muss daher mehr Beiträge zahlen als Peter. Dennoch sind Peter und Udo gleich abgesichert.

 

Peters linker Nachbar, Herr Otto, ist schon sehr alt und kann nicht mehr arbeiten. Er bekommt eine kleine Rente. Herr Otto wird also von den Beiträgen der jüngeren Mitglieder der Gesellschaft wie Udo und Peter finanziert. Und wenn Peter und Udo einmal alt sind, werden auch sie von den Jüngeren gestützt. Dieser Vertag zwischen Jung und Alt heißt Generationenvertrag und ermöglicht  unsere soziale Sicherung.

 

Als Peter am Morgen jedoch in seinem Briefkasten schaut merkt er, dass doch nicht alles Gold ist was glänzt, denn er findet einen Brief seiner Krankenkasse. Er soll jetzt zusätzlich zu seinen regulären Beiträgen noch Zusatzbeiträge zahlen! Peter wundert sich und geht zu seinem Nachbarn Udo, der kennt sich ja schließlich mit Geld aus!

Udo weiß, dass das Sozialversicherungssystem in Deutschland generell drei große Probleme hat und erklärt Peter diese an Hand der gesetzlichen Rentenversicherung: Erstens gibt es immer mehr alte und immer weniger junge Leute, da die Geburtenrate sinkt. Das ist ein Problem: Noch in den 50er Jahren mussten drei Arbeitnehmer einen Rentner finanzieren, 2030 wird ein Arbeitnehmer alleine fast einen ganzen Rentner finanzieren müssen. Außerdem ist die Medizin heute so gut entwickelt, dass alte Leute noch viel älter werden. Das ist ja eigentlich sehr schön, aber alte Menschen kosten einfach ein bisschen mehr Geld, denn sie brauchen eine Rente und sind nicht mehr so gesund wie junge Menschen, sie müssen also viel öfter zum Arzt. Dies wird von den Krankenkassen bezahlt.

 

Das zweite Problem ist, dass meist die Menschen, die viel Geld verdienen und daher viel Geld in die Kassen einzahlen würden genau das nicht tun! Berufsgruppen wie Ärzte, Soldaten oder Beamte haben nämlich ihre eigenen Altersicherungssysteme! Und alle anderen Vielverdiener müssen nur bis zu einer bestimmten Grenze ihres Einkommens Beiträge Zahlen, nämlich bis zur sogenannten Beitragsbemessungsgrenze.

 

Das dritte Problem sieht Udo in der Politik: Denn Politiker in einer Demokratie wollen ja wiedergewählt werden, es hat also keiner so wirklich Lust die nötigen aber unpopulären Reformen auf den Weg zu bringen, denn die würden heißen: höhere Beiträge, aber weniger Leistung!

 

Und dass dringend etwas getan werden muss, dass kann Udo an den Krankenkassen verdeutlichen: diese gehen nämlich reihenweise pleite und müssen sich zusammenschließen, um Kosten einzusparen. Wenn also nichts getan wird ist unser Sozialversicherungssystem in ziemlicher Gefahr.

 

Zum Schluss gibt Udo Peter einen Rat: Peter sollte sich vielleicht einfach ein Sparschwein anlegen und privat ein wenig Geld auf die Seite legen, denn er kann sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass er ausreichend Unterstützung bekommt wenn er einmal so alt ist wie Herr Otto von nebenan. Peter denkt sich: Zusatzbeiträge an die Krankenkasse zahlen und ein persönliches Sparschwein für seine spätere Rente anlegen, dass ist ganz schön viel verlangt. Er fühlt sich aber noch ein bisschen sicherer als Johnny aus Wisconsin.